KEEP ROCKIN' 25-30
Graham (XXV)
Graham Gouldman ist Gründungsmitglied der Band 10cc, ist aber schon in sehr jungen Jahren als Komponist auffällig geworden (so stammt z.B. "No Milk Today" aus seiner Feder). 10cc sind für mich die Kabarettisten unter den Prog-Rockern. In wunderbar ironischen Texten erzählten sie uns in den 70ern von den letzten Gedanken einer tickenden Zeitbombe, davon dass das Leben wie eine italienische Gemüsesuppe sei und beteuerten in einem der schönsten Liebeslieder der Rockgeschichte, dass sie gar nicht verliebt wären (so wie sie später in einem der erfolgreichsten Reggae-Songs sangen, dass sie Reggae nicht mögen). Graham Gouldman und 10cc, an der Percussion der einzigartige Paul Burgess, durfte ich im November 2021 in Erding sehen. Es war alleine schon deshalb ein stets in Erinnerung bleibendes Konzert, weil es das erste nach dem Lockdown war. Das Farbelement in seiner Hand ist die auf einem Gesicht liegende Karte vom Hipgnosis-Cover des "Bloody Tourists"-Albums.
Al (XXVI)
Al Stewart bewegt sich an der Grenze zwischen Singer/Songwriter und knackiger Rockmusik. Er hat uns aber in den 70ern mit "On The Border", "Year Of The Cat" und "Time Passages" zeitlose Classic-Rock-Songs beschert. Sind 10cc die Satiriker, so ist Al Stewart der Historiker der Rockmusik. Zahlreiche seiner Songs und Alben befassen sich mit historischen Ereignissen. Ich selbst höre Al Stewart von jungen Jahren an, das damals neu erschienene „Time Passages“ war auf meinem aller-ersten selbst zusammengestellten Tape. So durfte ich ihn bereits 1989 in Gießen und 2006 nochmal im Schlachthof in München sehen. In München saß er vor dem Konzert beim Abendessen bei uns am Nebentisch, was mir natürlich besonders in Erinnerung geblieben ist. Das Farbelement ist sein üblicherweise blauer Gitarrengurt.
Robert (XXVII)
Nach Al Stewart hier nun sein Gitarrenlehrer (ernsthaft!) Robert Fripp von King Crimson. King Crimson ist ja so eine Art Prototyp der Progressive Rock Band, verspielt in den Songs bis zur Schmerzgrenze, mit vielen Jazz-Anleihen. Ich durfte Robert Fripp mit King Crimson - drei (!) Schlagzeuge im Vordergrund und der wunderbare Tony Levin am Bass, den ich schon mit Peter Gabriel erleben durfte - 2018 in der Philharmonie in München sehen. Ein überraschend humorvoller Robert Fripp ist mir dann während Covid nochmal untergekommen, als er mit seiner Frau Toyah Willcox jeden Sonntag in deren Küche herrlich skurrile Coverversionen von berühmten Rocksongs aufnahm und sie als "Toyah & Robert's Sunday Lunch" auf Youtube stellte (da sind sie weiterhin zu finden). Als Farbelement habe ich ihm das Logo des von ihm gegründeten unabhängigen Musiklabels DGM an das Revers geheftet.
Paul (XXVIII)
Im Juni 1982 sah ich als 16-Jähriger den Filmmitschnitt des Simon & Garfunkel-Konzerts im Central Park im deutschen Fernsehen und war beeindruckt. Simon & Garfunkel waren bis dahin für uns verlässliche Balladen-Lieferanten für die bestimmten Momente im Leben eines Jugendlichen. Im Central Park lernte ich nun die andere R&B-Seite insbesondere des Paul Simon kennen. Nicht nur das, mit "Mother And Child Reunion" hat er einen der besten Reggae-Songs geliefert. Wenige Jahre später erschien die Graceland-Album, das mich auf afrikanische Musik neugierig machte. Folgerichtig war ich 1987 in Frankfurt und 1989 in Würzburg zweimal auf der Graceland-Tour live bei einem Paul-Simon-Konzert. Farbelement ist das blaue Band seines Hutes.
Gerd (XXIX)
Im späten Herbst 1985 wurde ich von meinem Vaterland für vier Woche nach Willebadessen, einem einsamen Nest am östlichen Rand des Teutoburger Waldes verwiesen, um aus dem frisch angetretenen Zivildienstleistenden einen einigermaßen brauchbaren Staatsbürger zu machen und – was deutlich wichtiger war – uns in der häuslichen Pflege beschäftigten Zivis ein paar pflegerische Grundlagen zu vermitteln (seitdem kann ich fehlerfrei Blutdruck messen und eine Dekubitus-Prophylaxe-Massage durchführen). Die vier Wochen endloser Einsamkeit in einem 8.000-Seelen-Ort verkürzte mir Alexander A.-R., genannt „Axel“, der das gleiche Schicksal teilte. Das, was uns vom ersten Tag intensiv miteinander verband, war die Musik (und ein „Rollstuhl-Selbsterfahrungs-Tag“ in Paderborn, an dem wir uns gegenseitig für einen halben Tag im Rollstuhl durch das nahegelegene Paderborn schoben und nur mit Mühe der Versuchung widerstanden, in der erzkatholischen Stadt in den Dom zu gehen und nach einer „Wunderheilung“ aus dem Rollstuhl aufzustehen).
Axel kam aus Bonn und war ein für das damals noch existente Bundeshauptstadtdorf typischer „Bönnsche Jung“ mit einem syrischen Botschaftsangestellten als Vater und einer deutschen Mutter. Vor allem aber war Axel fest in der rheinischen Musikszene verankert und brachte mir neben den (nicht-rheinischen) „Scherben“ die frühen BAP-Songs vor deren kommerziellen Erfolg und vor allem die „Schroeder Roadshow“ näher. Auch meine deutschsprachigen „Rockhelden“ sollten sich, abgesehen von Rio Reiser und Udo Lindenberg, in der Folge geographisch auf den kurzen Rheinabschnitt zwischen Bonn und Düsseldorf konzentrieren.
Schroeder Roadshow mit den anarchischen Texten von Uli Hundt hatte ich zuvor schon als Jugendlicher bei einem ihrer zahlreichen Benefizkonzerte in irgendeinem hessischen Jugendzentrum gesehen (wann und wo ist mangels Ticket im jugendlichen Erinnerungsnebel verschwunden), war mir aber sonst nicht weiter vertraut. Axel ließ mich „Asche im Wind“ der Schroeder Roadshow entdecken, den in meinen Augen neben „Kristallnaach“ von BAP besten deutschsprachigen Rocksong. Als mir Axel die Schroeder Roadshow näher brachte, waren sie schon getrennt. Gerd Köster, der Sänger, machte als „Schroeder“ vorerst weiter, Uli Hundt gründete eine eigene Band. Ich blieb bei Gerd Köster, der später mit „The Piano Has Been Drinking“ wunderbare kölsche Tom-Waits-Adaptionen aufnahm. Das gelbe Telefon auf der grün gekachelten Wand als Farbklecks auf dem Portrait Gerd Kösters ist ein Auszug aus dem von dem Comiczeichner K. H. Schrörs gestalteten Cover des Albums „Live in Tokio“.
Die Auflösung der Schroeder Roadshow sorgte dafür, dass ich beim Anti-WAAhnsinns-Festival 1986 in Burglengenfeld die Band gleich zweimal sehen durfte. Dort trat erst Uli Hundt mit der Band „Wahnsinn“ auf und gleich danach Gerd Köster mit der „Firma“. Da beide in der Oberpfalz eher unbeschriebene Blätter waren, durfte ich trotz der Menschenmassen beim Festival beide Auftritte in der ersten Reihe ansehen. Die schönen Nebeneffekte eines etwas ausgefalleneren Musikgeschmacks…
Nach einigen gegenseitigen Besuchen trennten sich Axels und meine Wege wenige Jahre nach Willebadessen wieder. Die Lebensorte und –wege gingen in verschiedene Richtungen. Der wichtige Beitrag Axels zu meinem musikalischen Leben ist geblieben.
Jeff (XXX)
Ich mag Rockbands, die klassische Elemente oder Instrumentierungen verwenden. So konnte ich mich schon in jungen Jahren für das "Concerto for Group and Orchestra" von Jon Lord und Deep Purple begeistern. Jeff Lynne hat mit seinem Electric Light Orchestra von Beginn an klassische Instrumente verwendet und so einen besonderen, unverwechselbare Musikstil geschaffen, wenn auch hier und da mit einzelnen Songs, die vorrangig dem Zahlen der Miete dienten. Gerade auf den früheren Alben gibt es wunderbare progressive Crossover-Stücke. Ich per-sönlich konnte auch bei den kommerzielleren Alben Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger mitgehen, wohl nicht zuletzt deshalb, weil ich in dieser Zeit musikalisch sozialisiert wurde und wir mit diesen Alben erwachsen geworden sind. Jeff Lynne und ELO durfte ich 2018 in der Münchener Olympiahalle sehen. Der Farbklecks ist diesmal das "ELO-Raumschiff", das auf verschiedensten Alben auftaucht, als Aufdruck auf Jeff Lynnes Shirt.













