Klaus Busch - Bilder & Illustrationen

Serie "Narrenspiegel" (2016 - ?)

 Die Serie "Narrenspiegel" soll eine Reihe von Pastellen gleichen (und extremen Quer-)Formats enthalten, mit denen ich meinen Mitmenschen mal satirisch, mal auch etwas boshafter einen solchen vorhalten möchte. Das bedarf einiger Erklärungen, auch zu den Bildern: 

 

 

 

Der Narrenspiegel (2018)
21 x 21 cm

Pastellkreide

 

Das Titelbild der Serie "Narrenspiegel".

Im Sinne eines Memento Mori thematisiert der "Narrenspiegel" die Rolle des Narren, die ich versuche, mit den Narrenspiegel einzunehmen. Das ungeschminkte Vorhalten der Wahrheit. So ist die Jugend und die Schönheit ein vergängliches Gut, was all den Wahn darum so absurd erscheinen lässt. Das Spiegelbild, bewusst in Grautönen, macht das deutlich. Es zeigt das Alter und das Vergehen. Darauf will der Narr im Vordergrund hinweisen. Und der zeichnende Narr mit seinem Narrenspiegel auch...

 

 

 

 

 

Dult is' (2016)
48 x 22 cm

Pastellkreide

 

Das erste Bild der Serie "Narrenspiegel".
Wer jemals auf einem bayerischen oder pseudo-bayerischen Volksfest war, wird wissen, was ich meine...

 

 

 

 

 

Das volle Boot? (2016)
48 x 22 cm
 

Pastellkreide

 

Das zweite Bild der Serie "Narrenspiegel".
Statt Empathie und dem Begreifen von Zuwanderung als Chance gesellschaftlicher Entwicklung bestimmen diffuse Ängste um den eigenen Wohlstand die Diskussion um das Thema „Flucht und Flüchtlinge“. Das ist beschämend angesichts des tausendfachen menschlichen Leids, dies umso mehr, als die lautesten und hässlichsten Verlautbarungen dieser nicht zu begründenden Vorbehalte aus geographischen Ecken kommen, die nahezu nichts mit diesem Thema zu tun haben und von Menschen, die vor nicht einmal 30 Jahren häufig noch selbst Flüchtlinge waren. Der jährliche Urlaub „auf Malle“ scheint wichtiger als die lebensrettende Aufnahme von schutzlosen Menschen. Das macht sprachlos. „Das volle Boot?“ ist der Versuch, diese Sprachlosigkeit zu überwinden.

 

 

 

 

 

Der Clown hat den Blues (2016)

Pastellkreide

48 x 22 cm

Das dritte Bild der Serie "Narrenspiegel". 

Der Titel zitiert ein Lied von Wolf Maahn, der in diesem Song das Publikum johlen lässt.. In diesem Bild "johlt" das Publikum nicht, es pöbelt und grölt. Das, was so viele in unseren "post-faktischen" Zeiten tun: Nicht Zuhören, nicht Reflektieren, sondern Plattitüden aufschnappen und hirnlos herausbrüllen. Was aber Farbe in unsere Welt bringt, ist das Zuwenden zu Anderem und Unbekanntem, die Neugierde auf das Kennenlernen. Deshalb sind die Flüchtlingskinder, die mit Abstand Leidtragendsten dieser Entwicklung, bewusst farbig gehalten, im Kontrast zu den bewusst farblosen, alltagsgrauen Mit"menschen" mit den entlarvenden Fahnen, die sie tragen. Dass deren Menschenverachtung immer weiter um sich greift, lässt den Clown (der eine Hommage an den kürzlich verstorbenen Oleg Popov ist) verzweifeln. Ein Gefühl, das vielen Deutschen, Europäern und etwas mehr als der Hälfte der US-Amerikaner vertraut sein dürfte.

 

Einjuriert in den Marler Kunststern 2017 zum Thema "Helden"

 

 

 

 

 

Ostbayerische Männerträume (2017)

Pastellkreide

48 x 22 cm

Das vierte Bild der Serie "Narrenspiegel". 

Außer vielleicht im Ruhrgebiet ist der Autowahn nirgendwo mehr verbreitet als in Ostbayern. Menschen, vor allem Männer, definieren sich über ihr Auto. Über Blech mit Rädern unten dran. Das ist nüchtern betrachtet traurig. Innenstädte verkommen zu Großraumparkplätzen, zwischen denen Fußgänger und Radfahrer irgendwie ihren Weg finden sollen. Am Niedergang des Einzelhandels ist nach landläufiger Meinung nicht die fehlende Qualität der Ware und der zumeist ruppige Ton des Personals schuld, sondern der fehlende immer freie und möglichst kostenlose Parkplatz vor der Haustür. Fußgängerzonen stehen auf einer Ebene mit Ketzerei und Kommunismus. Und in den Kirchen betet man statt ums tägliche Brot um den täglichen Parkplatz. Dass das extrem zu Lasten der Lebensqualität geht und dass man dies anderenorts schon seit etwa 30 Jahren verstanden hat, geht an abgasvernebelten ostbayerischen (Männer)Hirnen völlig vorüber. Genau das aber thematisiert und überspitzt das Bild. 

 

 

 

 

 

Helden am Abend (2017)

Pastellkreide

48 x 22 cm

Das fünfte Bild der Serie "Narrenspiegel". 

Was machen Helden nach Feierabend? Und was, wenn sie nicht mehr gebraucht werden? Schon unmittelbar nach Bekanntgabe des Themas "Helden" für den Marler Kunststern 2017 hatte ich die Idee zu diesem Bild. Es soll vor allem eines Zeigen: Vielleicht sind Helden manchmal einfach Menschen wie du und ich - vielleicht sind aber auch Menschen wie du und ich einfach manchmal Helden... 

 

Einjuriert in den Marler Kunststern 2017 zum Thema "Helden"

Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis des Marler Kunststerns 2017

 

 

 

 

 

Bavarian Baroque (2017)

Pastellkreide

48 x 22 cm

Das sechste Bild der Serie "Narrenspiegel"

Das 1930 entstandene „American Gothic“ von Grant Wood, zu sehen im Original im Art Institute of Chicago und im Hintergrund auf diesem Werk, ist eines der bekanntesten Gemälde des amerikanischen Realismus. Viele Deutungen des Bildes, u.a. von Gertrude Stein, sehen das Bild wohl zurecht als Satire auf das amerikanische Kleinstadt- und Landleben. Dafür spricht auch, dass sich manch amerikanische Farmer durch das Bild als übelgelaunte puritanische Moralisten verunglimpft fühlten. Diesen Gedanken greife ich in „Bavarian Baroque“ auf und stelle das Bild „American Gothic“ diametral gegenüber. Gotisch geht ja bei meinen bayerischen Mitmenschen nicht, also barock. Das Barocke ist nicht nur die bayerische „Gmiatlichkeit“ (und die interpretiere ich als eine tiefe Gelassenheit im Umgang mit den Unbilden des Lebens). Die gibt es in Wahrheit kaum noch. Deshalb wird sie in unzähligen bayerischen Bierzelten tagaus und tagein fast schon verzweifelt beschworen. Vielmehr verstecken sich immer mehr ungesundeste Lebensweisen und Lebensverständnisse hinter dieser „Gmiatlichkeit“. Nichts gegen eine gute Weißwurst oder eine Leberkassemmel, aber ich finde es fast jeden Tag neu erschreckend, wie viele dicke Kinder mir hier auf der Straße begegnen. Davon, von so oft so falsch verstandener „Gmiatlichkeit“, erzählt dieses Bild. Und ja, natürlich ist es eine Satire auf das bayerische Kleinstadt- und Landleben. Wie „American Gothic“ eben…

 

  

American Gothic

Grant Wood, 1930

Öl auf Holzfaserplatte

76 × 63,3 cm

Art Institute of Chicago

 

 

 

 

 

 

Fair Is Foul And Foul Is Fair (2017)

Pastellkreide

48 x 22 cm

 

 

Das siebte Bild aus der Serie "Narrenspiegel"

"Fair is foul and foul is fair" sagen die drei Hexen in Akt 1 Szene 1 von Shakespeares Macbeth. Sie bereiten sich vor, im Reich des Duncan Verwirrung zu stiften. Fake News zu verbreiten also. Wie treffend! Die Hexen symbolisieren die Verkehrung von Gut und Böse, von Schlechtem und Gutem. Diese Verkehrung ist das Leitmotiv in Macbeth und scheint zunehmend auch das Leitmotiv unserer realen Welt zu werden. Der Schein und die Realität sind gerade für Macbeth und Lady Macbeth nur selten zwei Dinge, die sich einander gleichen sollten. Jedes Mittel scheint ihnen recht um an die Herrscherkrone zu kommen.

Und so rühren hier in einer Art Walpurgisnachtszene eine Vielzahl Hexen in den Köpfen heutiger Despoten: Sie stiften Verwirrung in Köpfen, denen definitiv jedes Mittel recht ist, an die Macht zu kommen und diese zu behalten. Heißen sie Erdogan, Putin oder Trump. Man hätte die Reihe der Köpfe nahezu endlos ergänzen können. Und im Vordergrund köchelt der "Fake-News-Verwirrungs-Trank" schon in den Köpfen der Möchtegern-Despoten, seien es Herr Orban, Frau Le Pen, Herr Gauland, Herr Wilders oder Herr Strache...

 

Eine Art Vorabzug des Bildes ist das Bild "...and foul is fair", erstellt als mein Beitrag zu dem internationalen Mail-Art-Projekt "Trump".

 

 

 

 

 

 

Astronaut John D. Smith drehte sich gerade um,
als der Klimawandel beschloss, von nun an gerechter zu werden (2017)

Pastellkreide

48 x 22 cm

Das achte Bild aus der Serie "Narrenspiegel"

„Astronaut John D. Smith... ist eine Art geographisches Rätselbild, da vielleicht - wenn man unvorbereitet an das Bild herantritt - nicht sofort klar wird, warum der Klimawandel denn nun gerechter wird. Der Ausschnitt der Erdkugel, der auf dem Bild zu sehen ist, zeigt Nordamerika. Ein Staat - und nur ein Staat, exakt in seinen Grenzen - ist aber im blauen Ozean verschwunden. Der Staat, der Klimaabkommen aufkündigt. Der Staat, der sich immer "first" sieht. Wäre das nicht schön, wenn der Klimawandel so gerecht wäre, dass nicht Südsee-Atolle, sondern die Verursacher selbst alleine die Folgen zu tragen hätten. Diese unmögliche Vision zeigt dieses Bild mit dem - von mir immer so geliebten - kryptischen Titel.

Und in der Hoffnung, dass Herr D.T. nicht nur twittert, sondern auch googelt: Mr. "President", the title of the painting is: "Spaceman John D. Smith just turned around as the climate change decided to be more just from now on". I'm looking forward to your twitter-outrage...

 

 

 

 

 

 

Grodgriabigfindsdaherrschmidtimgäu (2018)

Pastellkreide

 48 x 22 cm

Das neunte Bild aus der Serie "Narrenspiegel"

"Da Gäu" ist die niederbayerische Bezeichnung, für den Gäuboden, die fruchtbare und ertragreiche Landschaft in der Donausenke zwischen Regensburg und Osterhofen und somit direkt vor meiner Haustür. Er ist gekennzeichnet durch Agrarwüsten für den Anbau von Zuckerrüben, Futtermais und Spreewaldgurken, ist geprägt durch sich hochherrschaftlich bis zur Wahlfälschung generierende Großbauern und ist wegen der agrarindustriellen Nutzung eine der trostlosesten Landschaften, die ich kenne. Statt Bäumen und Feldhainen gibt es Rübenmieten und Kieswerke.

"Da Herr Schmidt", rechts am Bildrand, ist jener Landwirtschaftsminister, der neulich entgegen aller Vernunft und Absprachen die Verlängerung der Glyphosatzulassung durchgesetzt hat, vermutlich um zumindest am Ende der Legislaturperiode endlich einmal dafür zu sorgen, dass ihn jemand namentlich kennt. Die paar toten Bienen, im Bild auf den Steinen im Vordergrund, sind da egal. Die Profilneurose und das Bedienen der Stammklientel sind da wichtiger...

"Griabig" findet es der Herr Schmidt also im Gäuboden. Das ist seine Vorstellung von Agrarlandschaft! "Griabig" lässt sich leider nicht 1:1 ins Hochdeutsche übersetzen. Ein "griabiger" Ort ist ein Ort, an dem es sowohl gemütlich ist als auch fröhlich zugeht, wo man sich wohlfühlt. Wie der Herr Schmidt in den Wüsten des "Gäu".

Die besondere Form des Titels ist angeregt durch Tanja Hofmann aus Zwiesel, die wunderbare Bilder malt und ihren Bildern eben solche wunderbaren Titel gibt. Ich durfte sie auf einer gemeinsamen Ausstellung im Baderhaus in Bischofsmais kennenlernen und hoffe, dass sie mir meine Anleihe bei ihr bei der Bilderbetitelung verzeiht.

 

 

 

 

 

 

 

Capricho Nr. 43, Update 4.0

Pastellkreide

48 x 22 cm

Das zehnte Bild aus der Serie "Narrenspiegel"

Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer (El sueño de la razón produce monstruos) ist eine der berühmtesten Radierungen von  Francisco de Goya. Es ist das 43. Bild der insgesamt 80 Aquatinten aus Goyas Serie „Los Caprichos“. Die Goya-Expertin Eleanor Axson Sayre schreibt hierzu: „ Der Betrachter des Bildes wird aufgefordert, nicht zu schlafen, sondern wachsam zu sein, denn sonst kann man die Ungeheuer der Ignoranz und des Lasters weder erkennen noch bekämpfen.“
In einer Wettbewerbsausschreibung des BBK Oberbayern Nord und Ingolstadt unter dem Titel „Frankenstein 4.0“ heißt es: „In unserer Zeit der 4. Industriellen Revolution (Industrie 4.0) stehen der Glaube an ewiges Wachstum durch technologischen Fortschritt und die Ökonomisierung des Menschen in einer globalisierten Welt einem diffusen Gefühl der Verunsicherung diametral gegenüber. Eine der emotionalen Reaktionen vieler Menschen ist der Rückzug in eine verklärte und trivialisierte Vergangenheit.“ Das hat mich zu der Arbeit inspiriert. Staunend steht man vor dem Phänomen, dass in unseren scheinbar aufgeklärten Zeiten weltweit mehr und mehr Politiker Zulauf finden, die Wahrheiten verbiegen und zu einem Brei widerlicher Vereinfachungen machen, die keiner Hinterfragung standhalten. Nur will man halt nicht hinterfragen. Weil die Welt zu kompliziert geworden ist? Schaffen wir also deshalb im frankensteinschen Sinne diese Monster? Nur industrieller, austauschbarer? Die Firma Frankenstein & Co. scheint es im Bild so zu machen.
Zeit, die Vernunft zu wecken!

 

 

El sueño de la razón produce monstruos

Francisco de Goya, um 1797-1799

Aquatinta-Radierung

21,6 × 15,2 cm

Die Platte befindet sich im Museo de Calcografía Nacional, Madrid

 

 

 

 

 

Serie "Lichter" (2008 - 2010)

Die Serie "Lichter" befasst sich in zehn Bildern gleichen Formats, gleicher Rahmung und gleicher Technik mit den unterschiedlichen Erscheinungsformen und Effekten des Phänomens "Licht".

  

 

Abendlicht

40 x 30 cm

Pastellkreide
 

 

 

 

Fabriklicht

40 x 30 cm

Pastellkreide
 

 

 

 

 Kerzenlicht

40 x 30 cm

Pastellkreide
 

 

 

 

Polarlicht

40 x 30 cm

Pastellkreide
 

 

  

 

Gewitterlicht

40 x 30 cm

Pastellkreide
 

 

 

 

Lichtbrechungen 
30 x 40 cm

Pastellkreide
 

 

 

 

Mondlicht

30 x 40 cm

Pastellkreide
 

 

 

 

Unterwasserlicht

30 x 40 cm

Pastellkreide
 

 

 

 

Gespiegeltes Licht

30 x 40 cm

Pastellkreide
 

 

 

 

Gegenlicht

30 x 40 cm

Pastellkreide